Workshop 4: Rollenspiel, Jahrestagung Berlin, 15.-17.9.17

Als Teilnehmer dieses Workshops können Sie ausprobieren, wie es sich anfühlt, entweder in der Therapeutenrolle die Frage „Wie fühlen Sie mir gegenüber?“ zu stellen oder sie in der Patientenrolle gestellt zu bekommen. In der Patientenrolle schlüpfen Sie in die Widerstände und Ängste Ihres Patienten und nähern sich ihm auf einer tieferen Erfahrungsebene. Sie erleben, wie schnell der Zugang zur pathogen wirksamen Dynamik sein kann und erhalten nebenbei auch wertvolle Hinweise für die weitere Therapie mit Ihrem Patienten. In der Therapeutenrolle machen Sie unter Anleitung erste Erfahrungen mit IS-TDP-spezifischen Interventionen.

Zielgruppe: alle
Teilnehmerzahl: maximal 20

Friedrich Tressel

Mobilisierung der Übertragungskomponente des Widerstands bei einer Patientin mit masochistischer Charakterpathologie und Depression, F. Tressel

Eine 57-jährige Patientin mit einer mittelgradigen Depression leidet an lebenslangen charakterologischen Problemen. Sie passt sich an, versucht es allen Recht zu machen und opfert sich auf. Es wird gezeigt, wie diese charakterologischen Probleme frühzeitig in der Übertragung wirksam werden und damit zur Übertragungskomponente des Widerstands werden. Die Head-on Collision mit dem Widerstand ist eine entscheidende Intervention zur Überwindung des Widerstands.

Im Ergebnis gelingt es bei dieser Patientin mit einer Abhängigen Persönlichkeitsstörung und depressiver Symptomatik die Unbewusste Therapeutische Allianz soweit zu fördern, dass die verdrängten schuldbeladenen Wutgefühle dem Vater gegenüber im Erstinterview erlebbar wurden, was in einen Trauerprozess um den vor einigen Jahren verstorbenen Vater einmündet. Anhand dieses klinischen Falles wird die Technik der Überwindung des Widerstands im Erstinterview mit einem Durchbruch unbewusster mörderischer Wut und Schuldgefühlen und anschließender Umwandlung der pathologischen Trauer in einen akuten Trauerprozess dargestellt.

Mobilisierung der Übertragungskomponente des Widerstands zur Umstrukturierung regressiver Abwehrmechanismen, F. Tressel

Patienten, die bereits in den ersten drei Lebensjahren traumatisiert wurden, entwickeln in hohem Maße Projektionen und projektive Identifizierungen. Die Folge ist nicht selten die lebenslange Beibehaltung regressiver Abwehrsysteme. In der therapeutischen Situation werden diese Abwehrsysteme oft rasch aktiviert, sobald Übertragungsgefühle mobilisiert werden. Es besteht vor allem bei diesen Patienten die Gefahr der Entwicklung einer abhängigen Übertragungsneurose. Wie dieser Entwicklung durch Einsatz einer spezifischen Head-On Collision wirksam begegnet werden kann, wird am Beispiel einer depressiven Patientin mit Gewalterfahrungen in der Kindheit demonstriert.