Patienteninfo

Die Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie (Intensive Short-Term Dynamic Psychotherapy) wurde von Dr. Davanloo, McGill University Montreal,  von 1960 bis 1990 entwickelt.

Dieses psychodynamische Therapieverfahren ist für viele psychische Störungen geeignet:
Es kann Patienten helfen, die unter Ängsten, Depressionen, Zwangssymptomen leiden und unter körperlichen Symptomen, für die die Ärzte keine medizinische Erklärung finden können (sogenannte somatoforme Störungen), wie z.B. unerklärlichen Schmerzen, Schwindelattacken, Magen-Darm-Problemen und anderen.
Auch Patienten, die den Verlust wichtiger Bezugspersonen nicht überwinden können oder durch Gewalterlebnisse traumatisiert wurden, können durch die IS-TDP Hilfe finden.

Die IS-TDP sieht die Ursache psychischer Probleme in schmerzlichen Erfahrungen, die zum Zeitpunkt des Erlebens so unerträglich waren, dass sie mitsamt den daran gekoppelten reaktiven Gefühlen wie Zorn, Schuldgefühlen und Trauer (teilweise oder vollständig) verdrängt werden mussten. Diese verdrängten gemischten Gefühle leben im Unbewussten weiter, obwohl die traurigen Erlebnisse selber schon lange zurück liegen, und können sowohl Symptome als auch zwischenmenschliche Störungen verursachen. Häufig findet sich auch ein unspezifisches Gefühl, kein gutes Leben verdient zu haben oder es nicht wert zu sein, glücklich werden zu dürfen. Die meisten Patienten schildern Ängste vor Nähe oder übergroße Vorsicht, sich einzulassen.

Ziel der IS-TDP ist es, zu den unbewussten Wurzeln und dem Antrieb der Probleme des Patienten vorzudringen, damit der Patient sich von seinen Schwierigkeiten und dem Zwang, vergangenes Leid zu wiederholen, verabschieden kann. Patient und Therapeut schließen sich zu einem gleichberechtigten Team zusammen. Im Unterschied zu anderen tiefenpsychologischen Verfahren nehmen beide, Patient und Therapeut, eine aktive Haltung ein.

Schwerpunkte liegen:

  • auf der detaillierten Analyse von Verhaltensmustern, die persönliches und zwischenmenschliches Leid verursacht haben.
  • auf dem wirklichen inneren, körperlichen Erleben von Gefühlen – insbesondere von Ängsten, Wut, Schuld und Trauer auf dem sicheren Boden einer starken Arbeitsbeziehung. Es handelt sich nicht um ein Ausleben von Gefühlen, sondern um ein inneres, eher stilles Geschehen. Verschüttete liebevolle Gefühle werden zugänglich. Anderen und auch sich selber verzeihen zu können, ist zentrales Thema.
  • auf einer integrierenden Zusammenfassung der Ergebnisse am Ende jeder Sitzung.  Der Patient entwickelt emotionales und intellektuelles Verständnis, sowohl für leidbringende Verhaltensmuster als auch für sein inneres Erleben.
  • Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Beziehung zwischen Therapeut und Patient, in der sich meist genau die Probleme des Patienten spiegeln, mit denen er im Alltag Schwierigkeiten hat.

Freie Assoziation und Deutungen sind keine Elemente der IS-TDP.

Die IS-TDP ist nicht geeignet für folgende Krankheitsbilder: Manisch-depressive Psychosen, Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis, Demenzerkrankungen, Soziopathien und  schwerwiegende psychosomatische Erkrankungen mit einer akuten Gefahr der Verschlechterung wie z. B. bei der Colitis ulcerosa.

Zur IS-TDP gehört regelhaft die audiovisuelle Aufnahme der Therapiesitzungen. Die Aufnahmen sind selbstverständlich vertraulich und dienen der Selbstüberprüfung der Therapeuten und der Supervision. Das gesonderte Einverständnis des Patienten vorausgesetzt, werden Filmausschnitte zur Lehre herangezogen. Psychotherapeuten, die in der Anwendung der IS-TDP geschult sind (ausschließlich Ärzte, Psychologen und Sozialpädagogen), durchlaufen eine intensive und aufwändige Weiterbildung. Regelmäßige Supervision gehört zur Ausübung dieses Verfahrens.
Die Dauer einer Behandlung mit IS-TDP variiert je nach Krankheitsbeschwerden zwischen 25 und 80 Sitzungen.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten, vorausgesetzt der Therapeut hat eine Kassenzulassung.