Einführungskurs: Einführung in die ISTDP nach Davanloo, Y. Hänsch & K. Korall

Die Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo ist ein psychodynamisches Therapieverfahren zur Behandlung eines breiten Spektrums neurotischer Symptom- und Persönlichkeitsstörungen sowie somatoformer Störungen und PTBS. Die Methode wurde von H. Davanloo, M. D. in den 1960er Jahren in Montreal/Kanada entwickelt.

Die Arbeit erfolgt gleichzeitig emotions- und übertragungsfokussiert und kann im Stundenkontingent einer Kassenpraxis für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ebenso wie für Verhaltenstherapie eingesetzt werden.

Nach einer Einführung in die Theorie und in die spezifischen Interventionstechniken erhalten die KursteilnehmerInnen durch audiovisuelle Fallbeispiele einen lebendigen Zugang zur Methode. Außerdem wird den TeilnehmerInnen die Gelegenheit geboten, sich im Rollenspiel den unbewussten Konflikten ihrer Patienten zu nähern und erste Erfahrungen im Umgang mit dem direkten Zugang zum Unbewussten zu sammeln

Was können TeilnehmerInnen lernen?

    • zügig eine intensive therapeutische Arbeitshaltung und Arbeitsbeziehung aufbauen
    • einen schnellen Zugang zum unbewussten Konflikt finden
    • präzise Analyse von Angst
    • Abwehrmechanismen erkennen, aufgreifen und für den Therapieprozess nutzen
    • Zugang zu verdrängten pathogen wirksamen Gefühlen zu schaffen
    • Spezifische Interventionsformen der IS-TDP kennenlernen
    • dem Patienten helfen, diese Gefühle im Hier und Jetzt der therapeutischen Beziehung zu erleben

Vortrag: Einführung in die IS-TDP und deren Geschichte, I. Ostertag

Die Geschichte der IS-TDP, die von Habib Davanloo seit den 1960er Jahren entwickelt und gelehrt wird, ist verbunden mit der Entwicklungsgeschichte der psychodynamischen Kurzzeittherapie. Ausgehend von einem historischen Rückblick wird in die Grundlagen der Methode eingeführt.

Freitag, 3.7.20, 14:10-15:15. Diesen Vortrag hören auch die Teilnehmer des Einführungskurses.

Vortrag: Die therapeutische Beziehung – Rupturen und Reparaturen, I. Ostertag

Die Qualität der therapeutischen Beziehung ist der zentrale Wirkfaktor für eine Therapie. Neben anderen wichtigen Voraussetzungen für eine gute therapeutische Beziehung ist eine gute Kooperation zwischen Therapeut*in und Patient*in im Therapieverlauf wesentlich. Wie können wir im Therapieprozess entstehende Brüche (Rupturen) in der therapeutischen Beziehung erkennen, analysieren, verstehen, korrigieren und vielleicht für die therapeutische Arbeit nutzbar machen? Nach einer Einführung in das Thema werden anhand von Patientenbeispielen Rupturen und mögliche Reparaturen gezeigt und diskutiert.

Freitag, 3.7.20, 15:15-16:30

Vortrag: Projektion, projektive Angst, Über-Ich-Widerstand und die Angst der Therapeutin, A. Schmitt

Im Vortrag sollen Projektion, Über-Ich-Widerstand und projektive Angst dargestellt werden. Projektive Angst wird im psychotherapeutischen Prozess sichtbar, wenn wir die Nähe einer therapeutischen Beziehung nutzen, um an verborgene Gefühle, verdrängte Konflikte und Widerstände zu gelangen. Es ist die Aufgabe der Therapeuten, die projektive Angst aufzulösen, die aktive Projektion/Übertragung aller verdrängter Gefühle auf den Therapeuten zu fördern und somit den Über-Ich-Widerstand, der aus der transgenerationalen Weitergabe von Wut- und Schuldgefühlen entstanden ist, zu entfernen. Dabei beeinflussen auch Ängste der Therapeuten den Prozeß.

Das vollständige Video des Erstinterviews mit einem 15jährigen Jugendlichen mit Cannabis-Abhängigkeit soll diese Zusammenhänge verdeutlichen.

Samstag, 4.7.20, 9:00-10:15

Vortrag: Aktuelles aus der Forschungswerkstatt, M. Brehm

In diesem Vortrag wird  ein Einblick in die neuesten Arbeiten unserer Forschungswerkstatt gegeben. Anhand einzelner Beispiele aus Fallanalysen wird mit Hilfe von Mikroanalysen der Zusammenhang von zentralen Ereignissen in der Therapie und  therapeutischen Effekten nachgezeichnet. Dabei soll gezeigt werden, auf welchen Wegen sich positive und negative Veränderungen im Laufe des Prozesses vollziehen. Das Wissen darüber ermöglicht es den therapeutischen Prozess besser zu verstehen, sich in ihm zu orientieren  und ihn zu steuern. Schwierige Übertragungs- und Gegenübertragungskonstellationen lassen sich schneller überwinden.

Samstag, 4.7.20, 10:45-12:00

Vortrag: Wir beide zusammen – IS-TDP nach Davanloo meets VT, Y. Hänsch, G. Hummel, K. Dumalin-Kliesow

Seit fast 3 Jahren arbeiten und lernen wir gemeinsam. Dabei haben wir  immer wieder über unseren Tellerrand auf den Teller des anderen geschaut, uns inspirieren lassen und Brücken zum Verstehen gebaut. Die Ergebnisse  möchten wir mit Ihnen teilen. Zunächst werden  wir Ihnen die Übersetzung einiger Konzepte der IS-TDP in verhaltenstherapeutische Konzepte präsentieren. Diese Übersetzungen bieten für mit IS-TDP nach Davanloo arbeitende Verhaltenstherapeuten eine gute Grundlage  und Sicherheit für Verlängerungsanträge und deren therapeutische Positionierung. Die Psychotherapieforschung zeigt uns, dass die zentralen Wirkfaktoren der Psychotherapie unabhängig vom therapeutischen Verfahren  sind.  Neuere Therapieansätze wie die Schematherapie  nach Young oder CBASP nach Mc Cullough  sind integrative Therapieansätze, die sich an diesen Wirkfaktoren orientieren. In unserm Workshop wollen wir zeigen, dass die IS-TD nach Davanloo  ebenfalls dieser integrativen Sicht entspricht und in die moderne Therapielandschaft eingeordnet werden kann.

Eine Vertiefung des Themas erfolgt im gleichlautenden Workshop F.

Sonntag, 5.7.20, 09:00-10:00

Vortrag: Angst und Widerstand bei einem Patienten mit Zwangsstörung, F. Tressel

Aus dem Therapieverlauf eines Patienten mit Zwangsstörung werden unterschiedliche Sequenzen gezeigt. Sichtbar werden die teils ich-syntonen, charakterologisch verfestigten zwanghaften Abwehrmuster. Es wird deutlich, dass diese nicht nur dem Widerstand gegen emotionale Nähe dienen, sondern auch Angst reduzieren sollen. Gezeigt wird auch, wie videodokumentierte Sequenzen der Sitzungen gemeinsam mit dem Patienten analysiert wurden, um die ichsyntonen Muster in ihrer destruktiven Auswirkung für die Therapie und für die Alltagsbeziehungen noch deutlicher bewusst zu machen. Letztlich wird auch demonstriert, wie mit geeigneten Interventionen der Wille des Patienten herausgefordert wird, diese destruktiven Anteile seines Abwehrsystems zu überwinden.

Sonntag, 5.7.20, 13:00-14:00

Workshop A: Der Schatten der Kindheit: Die Auflösung ödipaler Fixierung bei intergenerationalem sexuellem Mißbrauch, M. Brehm & G. Gottwik

Sexuelle Missbrauchserfahrungen und andere Bindungstraumata sind wesentliche Risikoerfahrungen für die Entstehung psychischer und psychosomatischer Störungen, wie empirisch gut belegt ist. Die Folge von  sexuellen Übergriffen oder auch emotionalem Missbrauch in der Kindheit ist häufig eine ödipale Fixierung an die frühe Bezugsperson.

In diesem Workshop kann anhand von Videoaufnahmen  eines Patienten mit Beziehungsstörungen, Panik und Depression und einer schweren transgenerationalen Missbrauchsproblematik der Therapieprozess miterlebt werden. Die traumatisierte Mutter wurde selbst missbräuchlich, was zur sexuellen Fixierung des Patienten auf die Mutter führte.

Der Fokus dieser Fortbildung wird auf dem Umgang mit sexuellen Gefühlen in der Therapie liegen. Davanloo hat Behandlungstechniken entwickelt, um die zugrunde liegende Dynamik zu aktivieren und durchzuarbeiten. Besonderer Wert wird darauf gelegt, zu zeigen, wie sich im Übertragungs-Gegenübertragungsgeschehen die transgenerationalen Übertragungsmuster wiederholen und aufgelöst werden können und sich damit auch die ödipale Fixierung löst.

Für Fortgeschrittene!

Workshop B: Patienten aus anderen Kulturkreisen, I. Orbes

Ist die IS-TDP mit ihrer kontinuierlichen Widerstandsanalyse, ihrer offensiven Arbeit in der Übertragung und ihrem direkten Zugang zum Unbewussten auch zur Behandlung von Patienten mit anderem kulturellen Kontext geeignet?

In diesem Workshop wird eine probatorische Sitzung aus der Therapie mit einem 38jährigen Ingenieur aus Pakistan gezeigt, der nach einer schweren depressiven Krise und mehrwöchigen stationären Behandlung zur Psychotherapie kam.

Workshop C: Projektive Angst bei einer 25jährigen Frau mit Panikattacken, A. Schmitt

Im 2-teiligen Workshop (C1 am Freitag und C2 am Samstag) sollen die Zusammenhänge zwischen Projektion, Über-Ich-Widerstand und projektiver Angst dargestellt werden sowie die katastrophalen Folgen, wenn die projektive Angst von Eltern zu destruktivem traumatisierendem Verhalten den Kindern gegenüber führt. Videoausschnitte aus dem Erstinterview sowie der 6. Sitzung einer jungen Frau mit Angst- und Panikstörung sollen dies verdeutlichen.

Für Fortgeschrittene

Workshop D: IS-TDP im psychiatrischen Setting, I. Sprenger

Die IS-TDP nach Davanloo wird überwiegend im ambulanten psychotherapeutischen Rahmen angewendet. Die Ausübung der Methode im psychiatrisch-institutionellen Setting ist möglich, erfordert jedoch die Berücksichtigung des Zusammenwirkens verschiedener Behandlungsmodalitäten und Interaktionen im multiprofessionellen Team.

In diesem workshop sollen Erfahrungen und hilfreiche Herangehensweisen ausgetauscht und Therapeuten ermutigt werden, die IS-TDP im psychiatrischen Bereich anzuwenden.

Workshop G: Ist das jetzt Widerstand oder Angst oder Gefühl?, S. Krumnow

Während der therapeutischen Arbeit zeigt der Patient vielfältige Reaktionen und Verhaltensweisen. Es ist von großer Bedeutung zu erkennen, ob es sich dabei um Zeichen von Widerstand oder Angst oder Gefühl handelt, um als Therapeut darauf adäquate Interventionen einzusetzen.

In diesem Workshop soll zunächst ein kurzer Überblick über den hierfür relevanten Teil der Metapsychologie gegeben werden. Danach wird anhand von Videoaufnahmen das Erkennen und Einordnen der Zeichen von Widerstand/Angst/Gefühl veranschaulicht und die darauf eingesetzten therapeutischen Interventionen erläutert.

Dabei wird eine aktive Beteiligung der Teilnehmer angestrebt.

Workshop H: IS-TDP- Interventionen im Rollenspiel einüben, I. Orbes

„Wie fühlen Sie mir gegenüber? Lassen Sie uns sehen, wie Sie mir gegenüber fühlen!“

Diese und andere Interventionen der IS-TDP können Sie als Therapeut ausprobieren oder in der Patientenrolle auf sich wirken lassen, wenn sie in diesem Workshop ein Rollenspiel wagen. Wir werden gemeinsam versuchen, einen Fokus zu finden und die therapeutische Aufgabe zu formulieren. Bringen Sie gerne eigene Fälle ein und nutzen Sie das Ergebnis für Ihre weitere Therapie. Auch als passiver Teilnehmer werden Sie Impulse für Ihre Arbeit erfahren können.