Ein 16-jähriger erklärt uns Depersonalisation und Derealisation

„Ich habe über das Trauma nachgedacht, das mir geschehen ist. Mir ist dabei das Wort Selbstentfremdung eingefallen. Das hat so sehr auf mich gepasst. Das bedeutet, ich wurde irgendwie meinem eigenen Körper weggenommen. Denn wenn ich mich an Kindheitsszenen erinnere, ich war einfach da und ich war so gelähmt von der Angst, dass ich nicht einmal nachdenken konnte. Ich war wie ein Roboter, wie eine Maschine. Ich war einfach da und die ganze Angst hat mich einfach paralysiert. Nicht mal körperlich, aber das auch teilweise. Aber wirklich mental. Es gibt so viele Szenen, an die ich mich erinnere. Es sind scheiß Sachen passiert und ich war einfach da, ich habe nicht nachgedacht, was ich jetzt machen kann. Paralysiert. Wie ein Playmobil. Die Sache ist, das „Scheiße-fühlen“ war sehr unterbewusst. Weil ich mir selbst so selbstentfremdet war. Ich dachte nicht mal „Das ist schlecht! Das ist gut!“. Das Konzept, ein Gefühl zu fühlen, war mir einfach völlig unbekannt. So oft habe ich als Kind Leute, die Gefühle gezeigt haben, immer verachtet. Ich hatte eine Abneigung: „iiiiieh!“. Denn das hat einfach nicht mit meiner Welt zusammengepasst. Ich dachte entweder „Sie lügen!“ oder „Sie machen eine Show!“. Das war einfach deshalb, weil ich selbst nichts gefühlt habe. Ich war halt in dem Zustand, in dem ich war!“

18. Jahrestagung 19.-21.06.2026: Vortrag am Samstag 20.06.2026 von Gerhild Wagner und Angela Schmitt